Der 0:3-Heimniederlage des SV Werder Bremen gegen den FC Bayern München folgte am Samstagabend im Weserstadion nicht nur sportliche Enttäuschung, sondern eine der schärfsten öffentlichen Attacken gegen die Schiedsrichter- und VAR-Praxis der Bundesliga seit Jahren. Der Vorfall ereignete sich in der Mixed Zone, kaum dass der Schiedsrichter Felix Zwayer das Spiel beendet hatte.

Werder-Verteidiger und Mittelfeldspieler Lennart Karl – in dieser Saison einer der konstantesten und kämpferischsten Akteure im Kader von Trainer Daniel Thioune – stellte sich den wartenden Mikrofonen und Kameras und ließ eine verbale Bombe platzen. Mit klarer, lauter Stimme und sichtbarer Empörung erklärte der 24-Jährige:

„Es ist doch offensichtlich, dass der FC Bayern von den Gremien bevorzugt wird. Der VAR stellt sich in entscheidenden Momenten fast immer auf die Seite des Giganten. Das schafft eine strukturelle Ungerechtigkeit im Wettbewerb. Wir kämpfen hier um jeden Punkt gegen den Abstieg, und dann werden uns wieder und wieder klare Situationen vorenthalten. Das ist kein Zufall mehr – das ist System.“

Die Worte hallten durch die Katakomben und wurden binnen Sekunden live in die Übertragung und in die sozialen Medien getragen. Innerhalb von Minuten explodierte die Debatte: #VARSkandal, #BayernBevorzugt und #LennartKarl trendeten in Deutschland innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins. Fans beider Lager, neutrale Beobachter und selbst ehemalige Schiedsrichter mischten sich ein. Viele Werder-Anhänger feierten Karl als mutigen Sprachrohr, während Bayern-Fans von „saurer Traube“ und „Verschwörungstheorie“ sprachen.

Nur wenige Meter entfernt stand in diesem Moment FC-Bayern-Kapitän und Mittelfeldstratege Lennart Karl – nein, falsch: der angesprochene Star der Münchner war natürlich nicht Lennart Karl, sondern Joshua Kimmich. Doch es war ausgerechnet der Namensvetter aus dem Bremer Lager, der die Schlagzeilen beherrschte. Als die Reporter dem Bayern-Spieler die Aussage von Lennart Karl vorspielten und ihn um eine Reaktion baten, passierte das, was inzwischen millionenfach geteilt wird.
Kimmich blieb zunächst stehen, hörte sich die Aufnahme an, schaute dann direkt in die Kameras – und zeigte lediglich ein schmales, fast rätselhaftes Lächeln. Kein Zorn, kein Kopfschütteln, kein sofortiges Dementi. Stattdessen wartete er zwei Sekunden, bevor er mit ruhiger, fast gelangweilter Stimme exakt zehn Worte sprach:
„Wenn man immer verliert, sucht man halt Gründe außerhalb.“
Der Satz war wie ein gezielter Konter. Kurz, präzise, vernichtend in seiner Schlichtheit. Die anwesenden Journalisten hielten kollektiv den Atem an. Im Hintergrund hörte man einzelne „Ooooh“-Rufe von Bayern-Spielern und Betreuern. In den sozialen Netzwerken brach sofort ein Sturm los: Zehntausende teilten den Clip mit Kommentaren wie „Kimmich zerlegt ihn verbal“, „10 Worte – 1000 Wahrheiten“, „Lennart wer?“ oder „Das war eiskalt“.
Lennart Karl selbst, der die Reaktion seines Namensvetters live mitbekam, erstarrte für einen Moment. Sein Gesicht verlor sichtbar an Farbe. Er versuchte noch, etwas nachzusetzen („Das ist doch genau das Problem, dass man Kritik nicht ernst nimmt…“), doch die Aufmerksamkeit der Kameras hatte sich bereits komplett auf Kimmich verlagert. Karl drehte sich schließlich um und verschwand ohne weiteren Kommentar im Spielertunnel.
Die DFL reagierte bereits am Sonntagvormittag mit einer knappen Stellungnahme: „Wir nehmen die geäußerten Vorwürfe sehr ernst und werden sie intern prüfen. Gleichzeitig bitten wir alle Beteiligten um sachliche Auseinandersetzung.“ Der DFB kündigte an, dass Video-Analysten und Schiedsrichter-Chef Lutz Wagner die umstrittenen Szenen des Spiels noch einmal genau unter die Lupe nehmen würden. Konkrete Kritikpunkte nannte Karl allerdings nicht – weder in der Mixed Zone noch später in einer kurzen schriftlichen Erklärung seines Beraters.
Sportlich war das Spiel relativ klar: Harry Kane traf per Foulelfmeter (22.) und per Volley nach Ecke (54.), Leon Goretzka machte in der 70. Minute den 3:0-Endstand. Werder hatte in der ersten Halbzeit zwei gute Chancen durch Marvin Ducksch und Justin Njinmah, scheiterte aber jeweils an Manuel Neuer. In der zweiten Halbzeit fehlte den Hausherren nach dem 0:2 die Kraft für eine echte Aufholjagd.
Doch niemand redete nach Abpfiff über Tore oder Taktik. Die Debatte kreiste ausschließlich um die 10 Worte von Joshua Kimmich und die schwere Anschuldigung von Lennart Karl. Experten sind gespalten: Die einen sehen in Karls Aussage einen notwendigen Weckruf, weil kleine Vereine tatsächlich häufiger benachteiligt werden. Die anderen werfen ihm vor, mit pauschalen Vorwürfen ohne Belege das Ansehen der Schiedsrichter zu beschädigen und von der eigenen schwachen Leistung abzulenken.
Für Lennart Karl könnte die Aktion Konsequenzen haben. Ein Disziplinarverfahren wegen „unsportlichen Verhaltens“ oder „Herabwürdigung der Wettbewerbsintegrität“ ist nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig hat er sich in der Werder-Fanszene zum Helden gemacht – viele Ultras feierten ihn bereits als „einen, der den Mund aufmacht“.
Für Lennart Karl könnte die Aktion Konsequenzen haben. Ein Disziplinarverfahren wegen „unsportlichen Verhaltens“ oder „Herabwürdigung der Wettbewerbsintegrität“ ist nicht ausgeschlossen. Gleichzeitig hat er sich in der Werder-Fanszene zum Helden gemacht – viele Ultras feierten ihn bereits als „einen, der den Mund aufmacht“.
Joshua Kimmich hingegen hat mit minimalem Aufwand maximalen Effekt erzielt. Sein rätselhaftes Lächeln und die zehn Worte werden noch lange zitiert werden – als Paradebeispiel dafür, wie man in der Öffentlichkeit Konter fährt, ohne sich auf das Niveau von Emotionen und Vorwürfen herabzulassen.
Das Weserstadion hat sich geleert. Doch die Nachwehen dieses Abends werden die Bundesliga noch lange begleiten.