In einer der spektakulärsten Interventionen der laufenden Champions-League-Saison hat Thierry Henry, einer der größten Stürmer aller Zeiten und heute gefeierter TV-Experte bei CBS Sports und Prime Video, einen Paukenschlag gesetzt. In seiner neuesten Podcast-Folge „The Overlap“ (erschienen am 13.
Januar 2026) hat der französische Weltmeister von 1998 den FC Bayern München und seinen Trainer Vincent Kompany frontal attackiert – und dabei Manuel Neuer ins Visier genommen.

„Ich bin kein Bayern-Fan“, begann Henry mit den Worten, die mittlerweile millionenfach geteilt werden, „aber glauben Sie mir: Manuel Neuer hat nicht mehr die nötigen Qualitäten, um Bayern München in diesem Champions-League-Titelrennen anzuführen.
Wenn der Verein es wirklich ernst meint, dann sollten sie ihm die Kapitänsbinde abnehmen und sie einem bestimmten anderen Spieler übergeben. Dieser eine Spieler ist der Einzige, der den nötigen Eifer, die mentale Härte und die Führungsstärke hat, um dieses Team zum Ruhm zu führen.“

Der Name, den Henry im Anschluss nannte, überraschte niemanden wirklich: Joshua Kimmich.

Der 31-jährige Mittelfeldstratege, der seit Jahren als einer der besten defensiven und offensiven Achter der Welt gilt, soll nach Ansicht Henrys der natürliche und einzige legitime Nachfolger als Kapitän sein. „Kimmich ist ein Gewinner-Typ durch und durch“, fuhr Henry fort.
„Er spricht an, er organisiert, er fordert – auch wenn es unangenehm wird. Er hat diesen unbändigen Willen, Spiele zu drehen, selbst wenn alles gegen ihn läuft. Neuer ist eine Legende, keine Frage.
Aber seine Aura als Kapitän wirkt in den entscheidenden Momenten der letzten zwei Jahre nicht mehr so dominant wie früher. Die Mannschaft braucht jemanden, der sie täglich antreibt – und das ist Joshua.“
Die Aussagen kommen zu einem äußerst sensiblen Zeitpunkt für den FC Bayern. Nach dem Viertelfinal-Aus in der Champions League 2024/25 gegen Real Madrid (Gesamt 2:5) und dem enttäuschenden Achtelfinal-K.o. 2025 gegen Manchester City (1:4 und 2:3) steht der deutsche Rekordmeister unter enormem Druck, endlich wieder den Henkelpott zu holen.
In der laufenden Saison 2025/26 hat Bayern nach der Hinrunde die Bundesliga mit fünf Punkten Vorsprung angeführt, doch in der Königsklasse hapert es: Nach sechs Spieltagen stehen nur zehn Punkte zu Buche – Platz 2 hinter Aston Villa, aber mit nur einem Punkt Vorsprung auf den drittplatzierten FC Barcelona.
Manuel Neuer, mit 39 Jahren der dienstälteste Feldspieler im Kader, trägt seit dem Rücktritt von Thomas Müller im Sommer 2025 die Kapitänsbinde. Die Entscheidung von Vincent Kompany, den Torhüter zum Spielführer zu machen, wurde damals weitgehend begrüßt – als Zeichen der Wertschätzung für eine der größten Bayern-Legenden.
Doch Henry ist nicht der Erste, der diese Wahl infrage stellt.
Schon nach dem 1:3 gegen Aston Villa in der Gruppenphase (November 2025) hatte der ehemalige Bayern-Profi Lothar Matthäus in der „Sky90“-Sendung ähnlich argumentiert: „Neuer ist ein Weltklasse-Torwart, aber als Kapitän fehlt ihm in manchen Momenten die Lautstärke und die physische Präsenz auf dem Platz.
Kimmich würde das Team emotional viel stärker mitreißen.“
Die Zahlen untermauern die Diskussion teilweise. In den letzten 18 Champions-League-Spielen unter Neuer als Kapitän (seit Saisonbeginn 2025/26) hat Bayern nur neun Siege geholt – bei fünf Unentschieden und vier Niederlagen. In den K.o.-Runden der vergangenen beiden Jahre blieb der Erfolg aus.
Kimmich hingegen gilt als der Spieler mit der höchsten Passgenauigkeit (92,4 %), den meisten Ballkontakten pro 90 Minuten (98) und den meisten Tacklings + Interceptions kombiniert (7,1) im gesamten Kader.
Vincent Kompany reagierte am Dienstagmittag in einer kurzen Stellungnahme auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Spiel gegen den VfB Stuttgart (14. Januar): „Thierry Henry ist eine Legende und seine Meinung zählt. Aber wir haben intern sehr klare Gründe, warum Manuel unser Kapitän ist.
Er hat in den schwierigsten Momenten der letzten Jahre immer Verantwortung übernommen. Joshua ist ein fantastischer Führungsspieler – und er wird weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen. Aber die Binde bleibt, wo sie ist.“
Trotz der klaren Worte des Trainers brodelt es in den Fan-Foren und auf Social Media. Der Hashtag #KimmichKapitän trendet seit Montagabend in Deutschland auf Platz 1, mit über 420.000 Beiträgen.
Viele Anhänger teilen Henrys Meinung: „Neuer ist ein Monument, aber Kimmich ist die Zukunft – und die Gegenwart braucht Feuer“, schrieb ein User mit über 12.000 Likes. Andere verteidigen Neuer vehement: „Ohne seine Saves in den letzten Jahren wären wir schon dreimal rausgeflogen. Respektlos gegenüber einer Ikone!“
Hinter den Kulissen soll es bereits Gespräche zwischen Sportvorstand Max Eberl, Kompany und Kimmich gegeben haben. Laut Informationen aus gut informierten Kreisen hat Kimmich selbst nie aktiv nach der Binde gefragt, signalisiert aber Bereitschaft, „mehr Verantwortung zu übernehmen, wenn der Verein das möchte“.
Thierry Henrys Intervention ist nicht nur ein Schlag gegen Neuer, sondern auch ein klares Votum für einen Mentalitätswechsel beim FC Bayern.
Der Franzose, der selbst als Kapitän von Arsenal und Barcelona in entscheidenden Momenten voranging, sieht in Kimmich den Prototyp des modernen, lautstarken und kompromisslosen Anführers – genau das, was Bayern in den letzten großen Nächten gefehlt habe.
Ob Vincent Kompany dem Druck nachgibt und die Kapitänsbinde wechselt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte wird die Bundesliga und die Champions-League-Rückrunde begleiten – und Joshua Kimmich steht plötzlich im Zentrum eines der größten Führungs-Dramen der Vereinsgeschichte.