PARIS/WASHINGTON – Am 10. September 2025 löste eine Pressemitteilung der NASA eine weltweite Welle der Aufregung aus: Der Mars-Rover Perseverance hatte in einer Probe aus dem Jezero-Krater potenzielle Biosignaturen entdeckt – die bisher stärksten Hinweise auf früheres mikrobielles Leben auf dem Roten Planeten. Die Welt hielt den Atem an. War das der Beweis für außerirdisches Leben? Oder nur ein weiterer falscher Alarm in einer langen Reihe von Enttäuschungen? Die Entdeckung, die nach einem Jahr intensiver Überprüfung durch unabhängige Experten in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, hat die Wissenschaftsgemeinde und die Öffentlichkeit gleichermaßen erschüttert.
Alles begann im Juli 2024, als Perseverance eine auffällige Felsformation untersuchte, die den Spitznamen „Cheyava Falls“ erhielt. Der Rover bohrte in einen rötlichen Stein aus einem alten ausgetrockneten Flussbett im Jezero-Krater – einem Gebiet, das vor Milliarden Jahren ein großer See gewesen sein soll. Die Probe, später „Sapphire Canyon“ genannt, enthielt ungewöhnliche Strukturen: kleine, leopardartige Flecken („leopard spots“) und winzige „Mohnsamen“-ähnliche Körnchen in einem mudstone-ähnlichen Gestein. Diese Merkmale, kombiniert mit organischen Molekülen und Spuren chemischer Reaktionen, die auf mikrobielle Aktivität hindeuten könnten, lösten sofort Alarm aus.
„Dies ist der bisher größte Fund in unserer Suche nach Leben auf dem Mars“, erklärte der damalige kommissarische NASA-Administrator Sean Duffy bei der Pressekonferenz. „Perseverance hat uns dem Beweis für früheres Leben so nahe gebracht wie nie zuvor.“ Die Worte hallten um die Welt. Innerhalb von Stunden trendeten Hashtags wie #LifeOnMars, #MarsBiosignature und #AlienProof auf allen Plattformen. Medien titelten mit „Leben auf dem Mars entdeckt?“ oder „NASA schockiert die Welt“.
Selbst Politiker und Prominente mischten sich ein – von Elon Musk, der sofort von bemannten Missionen sprach, bis hin zu Umweltaktivisten, die fragten: „Wenn es dort Leben gab – was bedeutet das für unsere Erde?“

Doch was genau wurde gefunden? Die Analyse der Probe zeigte mehrere Indizien, die zusammenpassen könnten: Organische Verbindungen (Kohlenstoff-basierte Moleküle, die Bausteine des Lebens sind), Eisen- und Schwefelverbindungen, die auf chemische Prozesse hindeuten, die Mikroben auf der Erde nutzen, sowie die charakteristischen Fleckenmuster. Auf der Erde entstehen ähnliche Strukturen oft durch mikrobielle Mats – Biofilme aus Bakterien, die Mineralien ablagern. Die Forscher betonen jedoch: Es handelt sich um potenzielle Biosignaturen. Kein definitiver Beweis. Viele nicht-biologische Prozesse könnten dieselben Muster erzeugen – etwa vulkanische Aktivität, hydrothermale Quellen oder meteoritische Einschläge.
Die Veröffentlichung in Nature nach einem Jahr strenger Peer-Review unterstrich die Seriosität. „Wir haben alle bekannten abiotischen Erklärungen durchgespielt“, sagte einer der Hauptautoren, Ken Farley vom Jet Propulsion Laboratory. „Keine konnte alle Beobachtungen vollständig erklären. Deshalb bleibt die biologische Hypothese auf dem Tisch.“ Die Probe liegt nun sicher im Bauch von Perseverance – bereit für die geplante Rückführungsmission (Mars Sample Return), die jedoch aufgrund von Budgetkürzungen unter Präsident Trump gefährdet ist.
Die Entdeckung reiht sich in eine Serie neuerer Mars-Funde ein, die das Bild vom einst lebensfreundlichen Roten Planeten verstärken. Im Januar 2026 berichtete ein internationales Team unter Leitung des Imperial College London von klaren Spuren einer antiken Küstenlinie im Jezero-Krater: Wellen-geformte Strukturen und Karbonatgesteine, die auf langanhaltende Oberflächenwasser hinweisen – länger als bisher angenommen. Gleichzeitig fanden Forscher Hinweise auf einen Ozean, der einst die nördliche Hemisphäre bedeckte, so groß wie der heutige Arktische Ozean.
Neue Bilder von Flussdeltas in Valles Marineris und gebleichte Felsen („bleached rocks“), die auf alten Regen und Feuchtigkeit hindeuten, verstärken das Bild eines „blauen Mars“ vor 3,5 bis 4 Milliarden Jahren.
Auch Curiosity, der ältere Bruder von Perseverance, liefert weiter Daten: Im Februar 2026 analysierte der Rover mit seinem letzten Tropfen einer speziellen Chemikalie eine Probe auf organische Moleküle – ein seltener Test, der zeigte, dass nicht-biologische Quellen die Menge an Kohlenstoffverbindungen nicht vollständig erklären können. „Das öffnet die Tür für die Hypothese, dass Leben involviert war“, hieß es in einer Studie in Astrobiology.
Doch nicht alle Funde deuten auf Leben. Im November 2025 nahm Perseverance Audio-Aufnahmen von Blitzen auf dem Mars auf – elektrische Entladungen in der Atmosphäre, die Wissenschaftler überraschten. Und im Februar 2026 analysierten Forscher den berühmten Mars-Meteoriten „Black Beauty“ (NWA 7034) mit modernen Computertomografen und fanden wasserreiche Eisen-Oxyhydroxid-Klasten – weitere Hinweise auf flüssiges Wasser in der frühen Mars-Geschichte.
Die Biosignatur-Entdeckung hat auch philosophische Fragen aufgeworfen: Wenn es Leben auf dem Mars gab – war es unabhängig entstanden oder durch Panspermie von der Erde gekommen? Was bedeutet das für unsere Suche nach Leben anderswo im Universum? Und warum verschwand das Wasser – und damit möglicherweise das Leben – so gründlich? Theorien reichen von Verlust der Atmosphäre durch Sonnenwind bis hin zu einem katastrophalen Klimawandel.

Die NASA plant, die Proben bis 2033 zur Erde zu bringen, doch Budgetkürzungen drohen das Projekt zu verzögern oder zu stoppen. China plant eine eigene Rückführungsmission für 2028. Die Entdeckung hat den Druck erhöht: Die Menschheit will wissen, ob wir allein sind.
Für viele ist „Cheyava Falls“ der Moment, in dem der Mars aufhörte, nur ein toter Stein zu sein. Es ist der bisher stärkste Hinweis darauf, dass das Leben vielleicht nicht nur auf der Erde existiert. Die Welt war schockiert – und bleibt es. Die Suche geht weiter.